Cefalù

Langer Strand an alter Stadt

Obwohl sie gerade einmal 14.000 Einwohner hat, ist Cefalu eine der bekanntesten Städte Siziliens. Die Gründe dafür sind ein langer Strand, ein großer Felsen und – genau dazwischen – eine spannende Altstadt.

Veröffentlicht am:  31. März 2012

Letzte Änderung:  02. Februar 2013

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Geschichte

Wie so vieles in Sizilien, geht auch der Name "Cefalù" auf die alten Griechen zurück. Sie nannten den Ort "Kefaloi­dion", abgeleitet von "Kefalé". Kefalé bedeutet Kopf und spielt wahrscheinlich auf die spezielle Lage Cefalùs an. Tatsächlich gab es in Cefalu aber auch ein Leben vor den Griechen. Viel ist hiervon allerdings nicht bekannt. Diese frühen Kulturen haben im Wesentlichen eines hinterlas­sen – große Steine. Daß sie damit allerdings gut umge­hen konnten, lässt sich heute auf dem Rocca von Cefalù bewundern.

Wer ein wenig zur Geschichte Siziliens gelesen hat, ahnt schon was jetzt kommt: die alten Römer. Aber wie fast überall in Sizilien, haben sie auch in Cefalu nur wenig Spuren hinterlassen. Das änderte sich erst gegen Ende des römischen Reichs.

Dessen Hauptstadt war damals Konstantinopel, auch Byzanz oder Nova Roma genannt (seit 1930 Istanbul). In dieser byzantinischen Zeit zogen große Teile von Cefalù auf den Rocca. Die Reste einer Festungsmauer, Kirche, Kaserne und Zisterne findet man dort noch heute.

Der Grund für den Umzug waren wahrscheinlich die unruhigen Zeiten am Ende des römischen (= byzantini­schen) Reichs. 858 halfen die neuen Befestigungen dann nicht mehr: Cefalù wurde von den Arabern einge­nommen und dem Emirat Palermo zugeschlagen. Wie schon ihre römischen Vorgänger, haben auch die Araber kaum sichtbaren Spuren hinterlassen. Im berühmten Dom von Cefalù treffen Sie allerdings auf eine Ausnahme.

Ganz anders die Normannen. Roger I nahm Cefalu 1063 ein und sein Nachfoger Roger II ließ das antike Cefalu unterhalb des Rocca wieder aufleben. Auf ihn gehen einige der heute noch von vielen Besuchern bewunderten Gebäude zurück. Zwei bekannte Beispiele sind der Dom und das Osterio Magno. Aber auch unabhängig von diesen beiden Sehenswürdigkeiten hat die ganze Altstadt einen mittelalterlichen Charakter. Im Gegensatz zu Orten wie Agrigento oder Solunto, – die immer mit den alten Griechen in Verbindung gebracht werden – gilt Cefalù daher als "Normannen-Stadt".

1282 übernahmen dann die Spanier Sizilien und damit auch Cefalù – und obwohl sie bis 1860 blieben, haben Sie in Cefalu kaum Spuren hinterlassen. Das mag zum einen daran liegen, daß es hier keine schweren Erdbeben gibt und daher die robuste Bausubstanz der Normannen bis heute gehalten hat. Es mag aber auch daran liegen, daß die Spanier sich recht wenig in inner-sizilianische Angelegenheiten einmischten. Das alltägliche Leben bestimmte die alteingesessene Aristokratie.

Im 18. Jahrhundert begann eine entscheidende neue Phase für Cefalù. Damals begab sich der Adel Nordeuropas auf die "Grand Tour". Diese frühe Form von Bildungsurlaub führte die Reisenden zu den "Hotspots" der Antike. Dazu zählt – wegen des griechischen Ursprungs – Sizilien und natürlich auch Cefalù – vordergründig wohl wegen des Doms, aber den berühmten Strand werden die adeligen Reisenden auch nicht verschmäht haben. Bereits Mitte des 18. Jahrhunderts gab es in Cefalù Konsulate mehrerer nordeuropäischer Länder. Einer der bekanntesten deutschsprachigen "Grand Touristen" war übrigens Goethe.

Den Adeligen folgten im 19. Jahrhundert das gehobene Bürgertum und im 20. Jahrhundert der Massen­tourismus – auch eine Art "Grand Tour", allerdings mit Schattenseiten. Letztere hat es in Cefalù allerdings nicht gegeben. Dieses liegt wohl an dem glücklichen Zusammentreffen von Strand, interessanter Altstadt und dem benachbarten riesigen Naturreservat der Madonien. Zusätzlich Überwintern hier mehr und mehr Nordeuropäer in der sizilianischen Sonne. Dieses Video gibt Ihnen einen ersten Eindruck von dem, was Sie in Cefalu erwartet:

 

Die Karte von Cefalù

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Ihr könnt die Karte auch mit Google Street View erkunden. Mit einem Klick auf den folgenden Link öffnet sich ein entsprechendes Fenster:

Cefalù – Langer Strand an alter Stadt

 

Strand

Die Beschreibung der Stadt Cefalù beginnt nicht zufällig mit ihrem Strand. Er ist einer der Gründe für ihre Bekannt­heit und natürlich der Hauptanziehungspunkt für Touris­ten: Sonne und Strand, das suchen schließlich die meisten.

Eigentlich ist der Strand von Cefalu "ganz normal": feiner Sand, sonnenklares Wasser, gut ein Kilometer lang. Tatsächlich ist so etwas in Nord-Sizilien aber eine Ausnahme.

Die Küste ist hier eher felsig und voller kleiner Badebuchten und Mini-Fjorde. Diese haben natürlich ihren ganz eigenen Charme und häufig genug Geheimtipp-Charakter. Viele Sizilien-Touristen suchen aber den klassi­schen Badeurlaub, also lange Sandstrände – wie eben den in Cefalu.

Hinzu kommt, daß die Altstadt, der neuere Teil der Stadt und der Strand nahezu eine Einheit bilden. Daher gelangen die Urlauber problemlos zu Fuß von den Hotels oder Ferienwohnungen ans Meer. Einige Straßen sind sogar verkehrsberuhigt oder Fußgängerzonen. In Sizilien ansonsten noch eine Seltenheit.

 

Rocca

Sizilien vereint Berge und Meer. Kaum irgendwo sonst wird das so deutlich wie in Cefalù. Die Altstadt ist regelrecht zwischen beiden "eingeklemmt". Der Berg heisst hier einfach Rocca – also Fels – und ist knapp 300m hoch.

Auf diesem Fels liessen es sich seit tausenden von Jahren Menschen in der sizilianischen Sonne gut gehen: Man fand ihre Hinterlassenschaften in Höhlen auf der Ostseite des Rocca. Leider sind sie für heutige Besucher nicht zugänglich. Der Rocca war aber auch in späteren Jahren sehr beliebt.

So findet man dort z.B. den Tempio della Diana aus dem 5. Jahrhundert v. Chr, also der griechischen Phase Siziliens. Ob es sich dabei tatsächlich um einen Tempel handelt ist nicht bekannt. Auf der Spitze des Rocca findet man das Castello, die Reste einer normannischen Burg (13. Jahrhundert). Von ihr aus haben Sie einen atemberaubenden Blick auf das Meer und die Berge des Hinterlandes, also die Madonien.

Diese und andere Zeugnisse früher Sizilianer sind für Besucher zugänglich. Dazu hat man in den steilen Felsen eine lange Treppe geschlagen. Sie müssen also nicht Reinhold Messner sein, um auf den Rocca zu gelangen.

 

Dom

Der Dom ist natürlich die zentrale Seheswürdigkeit Cefalùs. Wie schon das Osterio Magno, so geht auch der Dom auf Roger II zurück. Der soll nämlich vor Cefalù in schwere See gekommen aber wie durch ein Wunder lebend an den berühmten Strand von Cefalù gespült worden sein. Als Dank für die Rettung startete er 1131 den Bau des Doms. So jedenfalls die Erzählungen.

Tatsächlich war aber wohl auch hier leider wieder der Krieg der Vater aller Dinge. Dafür spricht der festungsähn­liche Charakter des Bauwerks. Andererseits ist das ohnehin typisch für den normannischen Baustil auf Sizilien. Die Herrschaften waren von Haus aus recht kriegerisch.

Was auch immer das ursprüngliche Motiv gewesen sein mag – das Resultat ist sonnenklar: Die kleine Stadt Cefalu beherbergt eine der größten Kathedralen von ganz Sizilien. Wenn Sie sie betreten, fällt Ihnen sicherlich schnell eine große Jesus-Darstellung auf (Christus Pantokrator), die Sie so wahrscheinlich eher in orthodoxen Kirchen vermuten würden.

Kein Wunder, hatte Roger II doch Spezialisten aus dem damaligen Konstantinopel – also der Hauptstadt der Orthodoxie – "einfliegen" lassen. Heben Sie daraufhin Ihren Kopf, um die Decke des Mittelschiffes zu betrachten, sehen Sie dekorative Elemente, die aus einem ganz anderen Kulturkreis kommen – nämlich dem arabischen. Die Normannen waren bekannterweise in religiöser Hinsicht recht tolerant. Ihnen ging es im Wesentlichen um die weltliche Macht.

 

Osterio Magno

Nein, es handelt sich bei der Osterio Magno keineswegs um eine "osteria", also eine Kneipe oder ein Restaurant. "Osterio" bedeutet tatsächlich "befestigtes Haus". Es ist wegen seines Alters und des besonderen Äusseren eine Sehenswürdigkeit.

Besonders interessant ist ein großes Fenster mit drei Bögen (trifora). "Befestigtes Haus" – das klingt nach Krieg und tatsächlich geht sein Ursprung zurück auf die Eroberungen Siziliens durch die Normannen (1071 – 1194). Roger II., der erste normannische König von Sizilien soll es als Wohnhaus für sich in Auftrag gegeben haben.

Im 17. Jahrhundert übernahm eine Domenikaner-Bruderschaft das Gebäude. Die neuen Besitzer unterteilten es in verschiedene Wohnungen und Läden. 1989 wurde das Osterio Magno restauriert – und siehe da – wie so häufig auf Sizilien fanden dabei Archäologen zwischen vielen anderen interessanten Dingen auch Bronzemünzen aus dem 4. Jahrhundert vor Chr. – also der griechischen Zeit. Die Normannen haben das heute noch sichtbare Gebäude also angefangen aber vermutlich auf Vorhandenem aufgebaut. Heute dient das Osterio Magno als Ausstellungsraum.

 

Bastione di Capo Marchiafava

Auch dieses Bauwerk verdankt seine Existenz dem Krieg. Die Bastione di Capo Marchiafava war ein wich­tiger Bestandteil des Schutzwalls von Cefalu. Hier standen Kanonen, mit denen man sich gegen vom Meer kommen­de Angriffe wehren konnte. Auch heute noch wird – auf dieser Plattform stehend – sofort die strategisch interessante Lage von Cefalù offensichtlich:

Der Rocca ist ein natürlicher Schutzwall Richtung Osten und gleichzeitig perfekt für die "Fernaufklärung". Auf der Bastione di Capo Marchiafava konnte man sich auf den Schutz des nördlichen Stadtteils konzentrie­ren. Kein Wunder, daß die Normannen sich zuerst Cefalù und später erst Palermo als Hauptstützpunkt aussuchten. Wir gehen aber davon aus, das auch die Normannen gerne am Strand in der Sonne gelegen haben und daher Cefalu für sie recht angenehm war.

Auch heute noch ist Bastione di Capo Marchiafava wegen des enormen Ausblicks auf das Meer beliebt – allerdings glücklicherweise zu rein friedlichen Zwecken. Besonders interessant: Da sich hierher nur wenige Touristen verirren (die meisten liegen schließlich lieber am Strand in der Sonne), haben Sie die Bastione di Capo Marchiafava hin und wieder ganz für sich.

 

Museo Mandralisca

Das Museum Mandralisca zeigt die Privatsammlung von Enrico Piraino, dem Baron von Mandralisca. Er lebte von 1809 bis 1864. Wie ein anderer bekannter Sizilianer des 19. Jahrhunderts, Emanuele Notarbartolo, war auch Enrico Piraino ein sizilianischer Ausnahme-Aristokrat.

Beide neigten zu aufklärerischen Ideen und unterstützten den Risorgimento, also die Bildung eines italienischen Nationalstaates. Und beide setzten ihre Ideen auch in die Tat um: Notarbartolo engagierte sich in öffentlichen Ämtern, Piraino stellte seine Sammlung der Öffentlichkeit zur Verfügung und gründete ein Gymnasium.

Wie wichtig gerade der letzte Schritt war, verdeutlicht die Analfabetenquote in Sizilien. Im Todesjahr von Enrico Piraino betrug sie erschreckende 90%. Was das Sammeln anging, war der Baron recht breitbandig interessiert. Das Museum zeigt archäologische und zoologische Funde, Bücher, Gemälde, Münzen, Möbel und andere Wertgegenstände. Genau das Richtige also, wenn das Wetter ausnahmsweise nicht zum Baden einlädt.

 

Lavatoio Medievale

Das Lavatoio Medievale ist nichts anderes als ein mittelalterlicher Waschsalon. Das hört sich natürlich zuersteinmal ein wenig seltsam an. Denn wird in ein paar hundert Jahren jemand den Waschsalon Ihrer Stadt als Sehenswürdigkeit für Touristen einrichten? Nach dem Motto "Die Waschmaschine des beginnenden 21. Jahrunderts im Kontext des blablabla…"?

Wohl eher nicht. Das ist wahrscheinlich auch der Grund dafür, daß Sie hier – wie schon bei der Bastione di Capo Marchiafava – auf recht wenige Touristen treffen. Ein zweiter Geheimtipp also.

Und das ist auch gut so. Das Lavatoio Medievale "hat nämlich was" und dieser Flair würde sich angesichts größerer Touristen-Gruppen sicher schnell verflüchtigen. Der spezielle Flair entsteht aus dem Zusammenspiel von Licht und fliessendem Wasser:

Ein vom Rocca herkommender, unter der Altstadt verlaufender Bach wird im Lavatoio Medievale durch einige kleine Becken geleitet, an deren Rändern sich Waschsteine befinden. Aus den Becken läuft das Wasser dann weiter direkt ins nahe Meer. Dieses spült bei starkem auflandigem Wind sogar ein klein wenig des berühmten Strandes von Cefalù in die Becken.

 

Madonien

Der Strand und der Fels dominieren Cefalù derart, daß man darüber leicht das Hinterland im Süden der Stadt vergißt – die Madonien. Die Madonien sind ein Gebirge, das 1989 unter Naturschutz gestellt wurde. Mit knapp 40.000 ha zählt es zu den großen Naturparks Italiens.

Die Madonien beherbergen mehr als die Hälfte aller auf Sizilien vorkommenden Pflanzenarten. Unter ihnen sind besonders viele, die nur auf Sizilien oder sogar nur in diesem Gebiet vorkommen. Diese sog. endemischen Arten sind auf Sizilien zwar nicht so spektakulär wie auf anderen Inseln wie z.B. Galapagos, Madagaskar und Hawaii aber natürlich genauso schützenswert.

Die bekannteste unter ihnen ist die vom Aussterben bedrohte Nebroden-Tanne (abies nebrodensis), die fast nur noch im Tal Vallone Madonna degli Angeli vorkommt. Die Tierwelt der Madonien ist noch vielfältiger. Es gibt hier sämtliche Säugetiere Siziliens sowie mehr als die Hälfte der Vogelarten und Wirbellosen. Besonders bekannt ist eine Kuriosität, nämlich eine Mischung aus Hausschwein und Wildschwein. Aber auch die unbelebte Natur, also der Stein der Madonien ist herausragend. Die Madonien sind daher Teil des Netzwerkes "European Geopark". Das alles macht die Madonien natürlich zu einem beliebten Ziel für das Wandern.

 

Urlaub in Sizilien

Cefalù bietet als Touristenzentrum in Nord-Sizilien natürlich eine Unmenge von Hotelzimmern und Bed & Breakfast-Angeboten. Wer gleichzeitig etwas individueller und abseits vom Touristen-Rummel wohnen möchte, findet in der Villa Caterina eine passende Ferienwohnung.

Eine Reise von Nordeuropa nach Cefalu beginnt zumeist mit einem Flug. Sie landen dann also auf einem der drei Flughäfen Siziliens:

Zur Weiterfahrt bieten sich sowohl ein Mietwagen, als auch eine Kombination aus Überland-Bussen und der Italienischen Bahn. Die obigen Links zu den drei Flughäfen geben auch hierzu weitere Informationen.

Wer Cefalù zwar gerne einmal besuchen aber nicht dort wohnen möchte, der findet in Santa Flavia eine interessante Alternative. Hier trifft man auf nur wenige andere Touristen und wohnt dicht am lokalen Bahnhof (ohne allerdings vom Bahnlärm gestört zu werden). Die Trenitalia bringt den Reisenden in nur 20 Minuten von Santa Flavia in die Innenstadt von Palermo. Nach Cefalù geht die Zugfahrt ca. eine Stunde ostwärts immer am Meer entlang.

Weitere Informationen für einen Sizilien-Urlaub bieten diese drei Webseiten:

 

 

 

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