Palermo entdecken

Annäherung an eine schwierige Stadt

Schaut man in typische Reiseführer, scheinen Städte hauptsächlich aus Kirchen, Museen und historischen Gebäuden zu bestehen. Für Palermo gilt das ganz besonders. Aber seien wir doch mal ehrlich: irgendwann kann man sie nicht mehr sehen, all diese "Sehenswürdigkeiten".

Und überhaupt: ist nicht die heimliche Agenda eines Stadtbesuchs schlicht und ergreifend "Neugier auf etwas Anderes"? Vor allen Dingen bei einer Stadt wie Palermo. Mit ihren schrägen Geschichten, krassen Gegen­sätzen – und natürlich der Mafia.

Genau davon geht dieser kleine Stadtrundgang durch Palermo aus. Er leitet Sie über einen Parcours, dessen Hauptziel es ist, angenehm zu sein: der Weg ist also unser Ziel. Und wenn dann am Wegesrand die ein oder andere „Sehenswürdigkeit“ auftaucht – warum nicht.

Veröffentlicht am:  12. August 2012

Letzte Änderung:  05. März 2013

Autorin:  

Urlaub in Sizilien

Palermo entdecken – das geht natürlich am besten im Zusammenhang mit einem Sizilien-Urlaub. Die typischen Sizilien-Urlauber suchen vor allen Dingen Sonne und Meer. Für sie gibt es an der 1000 km langen Küste Siziliens ein riesiges Angebot von Hotels.

Wer "mehr" möchte – wie z.B. Palermo individuell für sich entdecken – muss schon ein wenig genauer hinse­hen. Wer zusätzlich noch auf einen Mietwagen verzichten, trotzdem am Meer wohnen und auch noch eine deutschsprachige Betreuung vor Ort haben möchte, der ist fast schon auf "Geheimtipps" angewiesen. Die Katze hier hält gleich drei davon bereit:

 

Die Umgebung von Palermo

Zwei dieser Geheimtipps liegen direkt vor den Toren Palermos: Bagheria (grüner Fleck in der Karte unten) und Santa Flavia (lila Fleck). Von hier aus bringt Sie die Trenitalia in nur einer Viertelstunde in das Zentrum Palermos (roter Fleck).

Wer Palermo besonders intensiv erkunden möchte, für den ist Santa Flavia der ideale Urlaubsort. Hier liegt der Bahnhof am Rand der Altstadt und damit nur 5 bis 10 Fußgänger-Minuten von mehreren Ferienwoh­nungen entfernt. Ausserdem ist Santa Flavia als ruhige Kleinstadt ein perfekter Kontrast zur quirligen Großstadt Palermo.

 

Palermo von oben – die Vogelperspektive

Nach dem kurzen Blick auf die Umgebung der Stadt schauen wir uns nun das Zentrum Palermos (also der rote Fleck in der Karte oben) im Stadtplan ein wenig genauer an:

Die vier Stadtteile Kalsa, Albergheria, La Loggia und Il Capo bilden die Altstadt Palermos. Sie erscheint im Vergleich zu den heutigen Ausmaßen der Stadt eher klein. Wie dieser Stadtplan von 1863 zeigt, bildeten die vier Stadtteile noch vor ca. 150 Jahren die gesamte Stadt:

Tatsächlich war die Stadt damals aber keineswegs klein. 1861 zählte man bereits 200.000 Einwohner. Im heutigen Palermo leben 650.000 Menschen.

Die Altstadt ist mit ihren vielen historischen Gebäuden der Hauptanziehungspunkt für Touristen. Leider – denn dadurch kommen sie mit einem sehr einseitigen Blick auf Palermo nach Hause. Sie beschreiben Palermo häu­fig als hektisch und eng. Kein Wunder – die Straßen der Altstadt waren für Fußgänger und einige wenige Pferdekutschen ausgelegt – nicht aber für die Fortbewegungsmittel des 21. Jahrhunderts.

Unser Stadtrundgang durchquert die Altstadt daher auf dem kürzesten, grünsten und im wahrsten Sinne des Wortes breitesten Weg: der Via Roma (siehe unten). So gelangen wir in die großzügigen Stadtteile Politema und Libertà. Im Stadtplan oben sind sie durch einen grünen und einen lila Fleck gekennzeichnet.

Im historischen Stadtplan ist die Via Roma nicht zu sehen. Sie entstand in mehreren Phasen zwischen 1895 und 1922. Ihr wesentliches Ziel war die Verbindung des Hauptbahnhofs (roter Fleck im Stadtplan oben) mit den neuen Stadtteilen – so als hätten die Erbauer an uns heute gedacht.

 

Der Rundgang

Nachdem wir uns nun einen Überblick verschafft haben, können wir mit der Planung eines ersten Besuchs von Palermo beginnen. Zur Anreise empfiehlt sich die Trenitalia. Der Ausgangspunkt unseres Rundgangs ist also der Hauptbahnhof von Palermo (roter Marker 1 in der Karte unten).

Tipps für Gäste von Kreuzfahrten

Palermo ist eines der "klassischen" Ziele von Mittelmeer-Kreuzfahrten. Da die Innenstadt Palermos nur wenige hundert Meter vom Hafen entfernt ist, lohnen sich hier sogar Landausflüge von nur wenigen Stunden. Und entgegen vieler Klischees ist Palermo eine der sichersten Großstädte Italiens. Die Anwesenheit vieler Touristen zieht aber natürlich auch in Palermo den ein oder anderen Taschendieb an. Mit den üblichen vorbeugenden Maßnahmen gegen diese Plage ist es aber keinerlei Problem auf eigene Faust loszuziehen.

Bitte lassen Sie sich auch nicht durch das Verkehrsgewühl am Haupttor des Hafens (grüner Marker 1 unten in der Karte) abschrecken. Folgen Sie der grünen Linie anstatt dem Hauptstrom, sind Sie schon nach nur 150 m in den "ruhigen Gewässern" der Via Principe di Belmonte. Und es kommt noch besser: Nach weiteren 400 m treffen Sie auf eine Fußgängerzone (grüner Marker 2). Hier können Sie – umgeben von überraschend viel Grün – in Ruhe Ihren ersten Cappucino genießen.

So gestärkt folgen Sie ab jetzt einfach der blauen Linie. Unser Rundgang führt Sie am Ende wieder zu dieser Fußgängerzone. Der Rückweg zu Ihrem Schiff entspricht dann also exakt dem Hinweg.

Google Maps Track

Rundgang durch die Innenstadt von Palermo

Google Maps Track

Vom Hafen zur Innenstadt (für Gäste von Kreuzfahrten)

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Hauptbahnhof  (so finden Sie sich hier zurecht)

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Blick in den Corso Vittorio Emanuele

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Eingang zur Vucciria

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Bar im La Rinascente

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Palazzo delle Poste

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Grand Hotel et des Palmes

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Fußgängerzone Via Principe di Belmonte

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Piazza Politeama

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Giardino Inglese – Eingang

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Giardino Inglese – Bar

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Teatro Massimo

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Feltrinelli – Buchhandlung und Bar

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Museo Archeologico Regionale

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Haupttor des Hafens

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Beginn der Fußgängerzone Via Principe di Belmonte

Sie können den vorgeschlagenen Rundgang auch mit Google Street View erkunden. Mit einem Klick auf den folgenden Link öffnet sich ein entsprechendes Fenster:

Stadtplan von Palermo in Google Maps

Tipp: Durch die eng beieinander liegenden Straßen positioniert sich das Street View Männchen gerne einmal falsch. Sie vermeiden dieses durch einen starken Zoom. Ein guter Kompromiss zwischen Überblick und Detailschärfe ist die vorletzte Zoomstufe.

Unser Rundgang beginnt also beim Hauptbahnhof (Marker 1). Er führt uns durch die breite Einkaufsstraße Via Roma bis zur Via Vittorio Emanuele (Marker 2). Sie ist eine der alten Achsen Palermos und wurde bereits von Goethe ausführlich beschrieben.

Kurz nachdem wir die Via Vittorio Emanuele überquert haben, geht es nach rechts eine kleine Treppe hinunter. Sie endet auf einem der bekanntesten historischen Märkte Palermos – der Vucciria (Marker 3).

Palermo gilt als Stadt starker Kontraste. Genau einen solchen erleben Sie jetzt: Am Ende der Vucciria treffen Sie auf einen Platz mit einer grossen Statue in der Mitte (sehr schön im Satellitenbild zu sehen). Am anderen Ende des Platzes sehen Sie den Eingang des Kaufhauses La Rinascente (Marker 4). Dort fahren Sie mit der Rolltreppe ganz nach oben in die Bar. Mehr wird hier nicht verraten.

Nachdem wir uns gestärkt haben geht es weiter die Via Roma entlang. Kurz hinter dem Kaufhaus sehen Sie links den Palazzo delle Poste (Marker 5), die Hauptpost von Palermo. Das Äussere überzeugt nur bedingt – es ist ein typisch faschistischer Protzbau. Das Innere bietet dagegen mehr. Es ist ein Beispiel für den Futurismus. In Italien tragen Sie übrigens eines der bekanntesten Werke des Futurismus mit sich herum: Schauen Sie einmal auf die Rückseite der italienischen 20 Cent Münze.

Noch weiter in der Via Roma treffen wir bei Marker 6 auf das Grand Hotel et des Palmes. Hier überwinterte Richard Wagner vom November 1881 bis zum März 1882 und beendete dabei seinen Parsifal. Über Wagner kann man sich in vielerlei Hinsicht streiten, über den nächsten Herren allerdings nicht: Giuseppe (Joseph) Bonanno, einer der Paten der Cosa Nostra beliebte seine Gäste im Grand Hotel et des Palmes zu empfangen. Angeblich hat es hier 1957 sogar ein sizilianisch-amerikanisches Spitzentreffen der Mafia gegeben, um den Handel mit Heroin zu organisieren. Historisch belegt ist das allerdings nicht.

Kurz hinter dem Hotel biegen wir nach links in eine der schönsten Straßen Palermos – der Fußgängerzone in der Via Principe di Bellmonte (Marker 7). Lassen Sie sich diese Gelegenheit für eine Pause nicht entgehen.

Nach der Pause geht es in der Via Ruggiero Settimo weiter. Bei Marker 8 treffen wir auf die Piazza Polite­ama, einem der schönsten Plätze Palermos. Er markiert gleichzeitig den Anfang der Via della Libertà. Richard Wagner nannte sie den "Champs-Élysées von Sizilien". Hier präsentiert sich Palermo also großstädtisch – ein weiteres Beispiel für die intensiven Kontraste der Stadt.

Nach ca. 800m in der Via della Libertà stehen Sie am Eingang des Giardino Inglese. Der Englische Garten Palermos ist bereits im Stadtplan von 1863 oben eingezeichnet (wenn auch nicht maßstabsgetreu). Er wurde 1851 von dem bekannten palermitanischen Architekten Giovan Battista Filippo Basile gebaut. Sein bekanntes­tes Werk ist allerdings das Teatro Massimo. Es ist unser nächstes Ziel. Vorher lädt aber noch die Bar del Giardino Inglese zu einer Pause im Grünen ein.

Der Rückweg

Der Rückweg führt uns zuersteinmal die Via della Libertà und die Via Ruggiero Settimo entlang. Wir
biegen allerdings nicht wieder in die Fußgängerzone ein, sondern gehen geradeaus weiter. Am Ende der Via Ruggiero Settimo stehen wir dann vor dem Teatro Massimo – einem weiteren starken Kontrast: Das 1897 fertiggestellte Teatro Massimo ist einerseits das größte Opernhaus Italiens und steht damit für den Reichtum Palermos. Andererseits ist es ein Symbol für den Niedergang der Stadt im 20. Jahrhundert, besonders aber nach dem zweiten Weltkrieg.

Unter einer unfähigen und mafiösen Stadtverwaltung kam das Teatro Massimo derart herunter, daß es 1974 geschlossen werden musste. 1997 schlug der Kontrast wieder in die andere Richtung. Dem ersten Antimafia-Bürgermeister Palermos – Leoluca Orlando – gelang es, das Opernhaus pünktlich zum 100-jährigen Bestehen wiederzueröffnen. Heute gilt das Teatro Massimo daher als das Symbol für die Wiedergeburt Palermos. Pikanterweise wurde die dramatische Schlussszene des Paten III auf der großen Aussentreppe gedreht.

Apropos Kontraste: Bevor wir nun wieder in die Altstadt eintauchen, machen wir eine Pause in der modernsten Buchhandlung Palermos, der Feltrinelli-Filiale bei Marker 12. Sie wurde erst vor wenigen Jahren eröffnet und bietet neben internationaler Literatur natürlich auch eine kleine aber feine Bar.

Wer sich für Archäologie interessiert, findet nur wenige Schritte weiter das Museo Archeologico Regionale (Marker 13). Hier dominieren zwar einerseits die "alten Griechen" aber man sieht hier auch Fundstücke aus Siziliens Vorgeschichte. Darunter befindet sich auch die berühmte Höhlenmalerei aus der Grotta dell’Addaura bei Mondello.

Aber auch wer sich nicht für "alte Scherben" interessiert, sollte den vorgeschlagenen Weg am Museo Arche­ologico Regionale vorbei nehmen. Hier gibt es Einiges zu sehen. Dieser Weg endet in der uns schon bekannten Via Roma. Sie führt uns direkt zurück zum Hauptbahnhof Palermo.

Die "klassischen" Sehenswürdigkeiten

Das eigentliche Ziel unseres kleinen Rundgangs war es ja, zuerst einmal Palermo ein wenig zu „beschnuppern“. Er führt uns daher durch die großzügigen und zumeist auch recht grünen Straßen der Stadt.

Haben Sie schon bei diesem "Schnupper-Gang" mehr Lust auf Palermo bekommen?
Möchten Sie noch einige der "klassischen" Sehenswürdigkeiten aus den bekannten Reiseführern "mitnehmen"?

Dann machen Sie einfach auf dem Rückweg einen Abstecher indem Sie der violetten Linie folgen. Sie treffen dann auf diese Sehenswürdigkeiten:

Google Maps Track

Abstecher zu den "klassischen" Sehenswürdigkeiten

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Fontana Pretoria

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Chiesa di San Cataldo

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Kreuzung Quattro Canti

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Dom

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Piazza Indipendenza

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Palazzo dei Normanni

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Villa Bonanno

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Casa Romana

 

Mehr Palermo entdecken

Die ersten Schritte in Palermo sind jetzt also getan, die wichtigsten Anlaufpunkte – also Bars – bekannt. Geht doch! Wir können uns jetzt also an komplizierte Touren, vor allen Dingen durch die Altstadt wagen. Dieses Video zeigt einen Rundgang durch das bekannteste der vier Altstadt-Viertel, die Kalsa:

Die einzelnen Stationen des Videos sind ausführlich auf der Seite Rundgang durch das Altstadt-Viertel Palermo-Kalsa beschrieben.

Wer noch mehr möchte, sollte diesem Video folgen. Es beschreibt einen Rundgang durch alle vier Altstadtviertel und führt dabei an vielen bekannten Sehenswürdigkeiten vorbei:

Die einzelnen Stationen dieses Videos sind auf der Seite Rundgang durch die Altstadt Palermos beschrieben.

Wer statt Rundgänge eher Wegbeschreibungen zu einzelnen Sehenswürdigkeiten bevorzugt, findet auf diesen Webseiten viele nützliche Hinweise:

Zum Abschluss sei auch noch dem Verkehr von Palermo der Schrecken genommen. Die meisten der Geschichten, die man darüber hört sind stark übertrieben. Das eigentlich nervige ist die Suche nach Parkplätzen. Ist man aber bereit ein paar Euro auszugeben, ist auch dieses kein Problem mehr:

 

 

 

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2 Kommentare

Comments RSS
  1. Mangold

    hat mir gut gefallen, schöner Bericht und Rundgang. Danke. Bin ab Morgen auf dem Weg nach Palermo.

  2. MARISA

    Mille grazie 🙂 informativ & atmosphärisch! Bin in Vorfreude auf Palermo.

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